Alice
~Verrat
Es gibt kaum ein größeres Verbrechen als Verrat. Es ist das Schlimmste und gleichzeitig Dümmste was man tun kann, denn es folgen immer Tote.
Doch wer sie verrät, der wünscht sich nur den Tod. Ich habe gesehen, was sie mit Verrätern macht. Ich habe sie schreien hören, weinen und um den Tod flehen. Ich habe gesehen wie sie gefoltert wurden, ihnen unsägliche Schmerzen zugefügt wurden, Gliedmaßen abgehackt und sie durch Bluttransfusionen künstlich am Leben gelassen wurden, damit sie sie länger leiden sehen konnte. Sie lässt sie bluten und jede Sekunde ihres Lebens bereuen bis sie sich wünschen tot zu sein, nie geboren zu sein.
Wer
sie betrügt, der kann nur hoffen, dass sie
gnädig ist und einen schnellen Tod gewährt.
Doch immer bleibt die Hoffnung, dass sie es nicht herausfindet, dass
sie einen nicht findet. Doch sie tut es immer. Ich weiß es.
Ich habe es zu oft gesehen.
Nicht zu oft, denn es gibt nicht viele, die es sich überhaupt
trauen es zu tun. Jeder einzelne ist zu viel. Ich habe sie alle
gesehen, habe sie schreien hören, winseln, beten.
Die Hoffnung stirbt zuletzt? Nicht mehr als ein naiver Spruch von Personen, die keine Ahnung haben.
Die Hoffnung stirbt früh. Sie sehen früh, dass sie nie Gnade haben wird. Nie aufhören wird bis sie des Ganzen nicht müde wird.
Wozu dann Hoffnung? Hoffnung
hält einen am Leben und das Leben bedeutet Schmerz sobald sie
einen in die Finger bekommt.
Das letzte was stirbt ist der geschundene und leidende Körper.
Manche haben Glück, ihr Verstand klinkt sich aus bevor der
Körper anfängt abzusterben oder er gibt sehr
früh auf.
Kämpfer leben länger, Kämpfer leiden länger.
Ich war nie ein Kämpfer. Jetzt habe ich sie verraten. Ich bin der Verräter und ich weiß sie sucht mich, lässt mich suchen.
Ich habe keine Angst. Ich sollte es, aber ich habe keine Angst und das beunruhigt mich viel mehr. Ich sollte sie fürchten, vor ihr zittern wie die anderen.
Ich habe den schlimmsten Verrat
begangen nur um sie zu schützen, sie
zu retten. Ich habe gezögert es zu tun bis ich sie
gesehen habe.
Eingesperrt in diesen weißen Käfig der anderen Welt,
fast in den Wahnsinn getrieben von ihr und unserer Welt.
Ihre weiße Haut, das dunkle Haar und die unergründlichen müden Augen, voller Verzweiflung, voller Angst.
Doch hinter all dem war so viel mehr. So viel mehr als man mit dem blose Auge hätte sehen können. Nichts würde sie verraten und doch habe ich es gesehen, so tief in ihr, dass sie es selbst vielleicht nicht wusste.
Sie ist die Erlöserin, die Retterin. Eine Kämpferin. Sie wird uns retten und das ist der Grund warum ich sie verraten habe.
Ich musste sie verraten um sie zu retten, denn sie wollte ihren Tod. Ich konnte das nicht zu lassen, durfte nicht.
Ich habe sie verraten. Und das ist der Grund warum ich renne. Renne um zu überleben. Das ist mein Kampf. Schließlich bin ich doch noch zum Kämpfer geworden. Für sie.