Alice
~Kämpfe
Die Welt ist kalt und Dunkel. Die Dunkelheit hat Augen und starrt dich an, hört nicht auf zu starren.
Sie starrt dich an, ich sehe es in deinem Blick, sehe es daran wie du zurück starrst. Du sitzt einfach da, ganz still neben mir. Du hast noch kein Wort gesagt seit du hier bist und aufgewacht bist. Du hast so lange geschlafen, dass wir Angst hatten du würdest für immer Schlafen. Dass wir es nicht geschafft hätten dich zu wecken. Da war so viel Blut. Süßes, warmes Blut. Dein Blut. Du warst so voll davon, von oben bis unten. Ich habe dich gewaschen, doch dir ist es egal. Du sitzt nur da und starrst in die Dunkelheit. Ich weiß was du denkst. Du denkst du bist wieder verrückt. Du denkst es gibt mich nicht. Du willst nicht daran glauben, dass es mich gibt. Warum nicht?
Weil es dir die Menschen erzählt haben, die dich gefangen hielten wie ein Tier. In ihrem weißen Gitter-Haus indem sie dich ruhig gestellt haben? Sie, die dir Gift unter dein Essen gemischt hat, damit du immer weiter hinab gleitest, dich selbst für wahnsinnig hältst und glaubst was sie dir sagte.
Glaubst du ihr noch immer? Nein, ich weiß, dass du ihr nicht mehr glaubst. Du hast sie zum schweigen gebracht. Du hast erkannt wer sie war. Wenn auch spät. Aber nicht zu spät. Es hat geholfen. Ich habe dir geholfen.
Ich habe dich beobachtet, schon so lange. Ich kenne jede deiner Bewegungen, jeden noch so kleinen Winkel deines Gesichtes. Ich habe die Pillen vertauscht damit du entkommen konntest, bin dir gefolgt und habe aufgepasst, dass sie dich nicht bekommen.
Ich habe gesehen wie du zu diesem Jungen, kaum ein Mann gegangen bist. Wie du etwas von ihm gewollt hast und was du getan hast um es zu bekommen.
Ich habe deinen Ekel gesehen und deinen Abscheu vor dir selbst. Aber keine Angst. Ich habe noch nie Angst bei dir gesehen. Du hattest Angst davor verrückt zu sein, aber es war nicht deine Angst.
Es war die Angst der anderen vor dir, die sie dir eingeredet haben. Sie tief in dich gepflanzt haben, so lange gedrängt haben bis du es glaubst.
Und dann behaupteten sie du wärst fast gesund, nachdem sie dich in den Wahnsinn getrieben haben. Ich werde euch Menschen nie verstehen. Aber du bist anders.
Du bist so anders als alle anderen. Deshalb
lohnt es sich für dich zu kämpfen, damit du
für uns kämpfen kannst.
Unser Schicksal auf deinen Schultern. Die zarten Schultern. Warum haben
sie dir das angetan? Ich verstehe es nicht.
Ich will es nicht verstehen. Sie wollten dich aus dem Weg haben, wollen es immer noch. Du hast zuviel gesehen, kennst uns zu gut, weißt wie wir denken. Denkst genauso, aber anders.
Du bist gefährlich für sie. Du weißt wie man alles ändern könnte, du würdest es schaffen. Und sie wissen das. Deshalb haben sie sie geschickt. Doch du hast sie reingelegt. Du hast sie getötet und ihnen damit, auch wenn es dir selbst nicht bewusst ist, eine Nachricht geschickt.
Du bist eine Kämpferin: Du hast damals gekämpft, du kämpfst heute und du wirst auch in Zukunft kämpfen. Wirst du?
Du sitz nur da. Du hast noch immer keine Angst. Du sitzt da in diesem Langen weißen Hemd, das über und über voll mit deinem Blut ist, hast die Beine angezogen und die Arme um sie herum geschlungen. Man sieht die Verbände aus weißem Stoff, Blut durchtränkt um deine Pulsadern. Das Glas hat sie bei deinem Sturz aufgeschnitten, die alten Wunden aufgerissen.
Deine Haltung ist scheinbar entspannt, doch
ich lasse mich nicht täuschen. Ich sehe es. Jedes Glied ist
gespannt wie das einer Katze, die nur darauf wartet, dass jemand eine
falsche Bewegung, ein Geräusch macht und dann auf immer in den
Schatten verschwindet. Du weichst noch immer meinen Blicken aus. Du
ignorierst mich. Es gibt mich nicht für dich.
Aber du weißt, dass ich da bin. Du spürst mich so
wie ich dich spüre.
Deine Aura, deine Seele. Sie ist da und sie ist so stark, so mächtig, so schön. Ich spüre sie, fühle sie du will sie so sehr.
Du starrst in die Dunkelheit. Was denkst du? Denkst du weiter über ihre Geheimnisse nach, die dir verborgen sind? Dunkelheit, die sich wie ein Leichentuch auf dich senkt, Geheimnisse birgt. Tödlich süße Dunkelheit. Dein Haar verschwimmt fasst mir ihr, doch ich sehe den feinen Rand, der die Nacht von deinen Haaren trennt.
Es steht vor dir und redet mit dir, doch du starrst durch es hindurch. Ich weiß was du denkst. Du denkst du bist nicht verrückt und es gibt kein weißes Kaninchen, doch ich weiß es besser.
Man muss verrückt sein um in dieser Welt zu überleben. Und du hast immer überlebt.
Du bist eine Kämpferin. Du bist verrückt, genau wie ich, genau wie er.
Woher ich es weiß? Wir müssen doch verrückt sein, sonst wären wir nicht hier, nicht wahr? Ist es nicht das was sie vor so langer Zeit zu dir gesagt hat? Die Tigerkatze? Deine Grinsekatze?
Du starrst noch immer durch es hindurch. Es
versucht immer wieder mit dir zu reden, doch du hörst es
nicht. Dein Verstand hat es ausgeblendet. Deine Augen sind noch immer
so rot, blutunterlaufen und glitzern gefährlich. Ich
weiß du spürst den Schmerz.
Du willst ihn nicht mehr spüren, du willst wieder
zurück. Zurück in die Welt aus der wir dich gerissen
haben, als wir dein Leben retteten. Du denkst du willst nicht leben, du
denkst wir hätten es lassen sollen, dich sterben lassen sollen.
Aber tief in dir weißt du es besser. Du hast zugelassen, dass wir dich retten. Du hast gekämpft. Hättest du es nicht zugelassen, dann wären all unsere Versuche sinnlos gewesen.
Ich sehe es doch, du kämpfst noch immer. Du kämpfst tief in dir.
Du kämpfst gegen dich und für dich und ich kann dir dieses mal nicht helfen egal wie sehr ich es mir wünsche. Ich will dir helfen, doch das ist dein Kampf.
Dein Kampf gegen dich. Gegen die Stimmen in dir, dir dich dazu treiben weiter auf die scharfen Scherben auf der Erde vor dir zu starren, die deine Fingerspitzen gierig nach ihnen zucken lassen.
Wellen durchlaufen deinen Körper. Zitterst du vor Angst? Vor Verlangen? Vor Kälte? Oder weil du verlierst?
Ich weiß es nicht. Du kämpfst. Du kämpfst noch immer. Still und einsam gegen dich selbst in der Dunkelheit in der einsamen Gasse.
Deine Augen sind geschlossen, die Lider zucken. Und alles was mir bleibt ist zu warten. Zu warten und zu hoffen, dass du noch dieses eine Mal gewinnst.